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Mali und die Sahelzone: Ein potenzieller Krisenraum. Plädoyer für eine überregionale Risikovorsorge

Die Erinnerung an die großen Dürrekatastrophen der 1970er und 1980er Jahre, die den Sahel zum Synonym für Hunger werden ließen, ist längst verweht. Aber auch wenn die letzte Dekade überdurchschnittlich regenreich war und man schon vom „Ergrünen des Sahels“ sprach - die Gefahr einer neuen Dürre besteht nach wie vor. Die Verschiebung der Vegetations- und Klimazonen, vermutlich Folge der globalen Erwärmung, kann selbst in den gegenwärtigen, niederschlagsreichen Jahren beobachtet werden. Die Lebensgrundlage der Menschen wird zusätzlich durch ein rasantes Bevölkerungswachstum in allen Sahelländern bedroht, das sich auch in den kommenden Jahren nicht wesentlich verlangsamen wird. Ohnehin schon knappe Ressourcen werden zunehmend übernutzt, was Desertifikation und Bodendegradation weiter vorantreibt und im Falle ausbleibender Niederschläge einen gefährlichen Teufelskreis in Gang setzt. Besonders prekär wäre eine neue Dürreperiode für den Sahel, da die Verkehrsinfrastruktur für eine Versorgung im Krisenfall völlig unzureichend ist.

Diese Arbeit plädiert daher dafür, exemplarisch für Mali, die unabdingbaren und erfolgreichen lokalen EZ-Projekte um eine übergeordnete, staatenübergreifende Strategie zur Risikovorsorge zu ergänzen. Der dringend nötige Ausbau von Infrastruktur und Frühwarnsystemen, eine stärkere Betonung von Bildungs- und Familienpolitik sowie die Förderung von Ansätzen staatenübergreifender Kooperation und Integration im Sahel erscheinen als wichtige, bisher nicht ausreichend verfolgte Felder einer Entwicklungspolitik, deren erfolgreiche Bottom-Up-Projekte einer Ergänzung durch Top-Down-Ansätze bedürfen.

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Alles für die Katz? Lehren aus der Entwicklungspolitik

Auf dem Human Devlopment Index (HDI) der Vereinten Nationen aus dem Jahre 2008 liegt Mali auf Rang 168 von 179. Damit gehört es zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Ursachen für diese Unterentwicklung sind vielfältig: die naturräumlichen Gegebenheiten der Sahelzone mit ihren starken Niederschlagsschwankungen machen die landwirtschaftliche Nutzung äußerst schwierig. An diese Verhältnisse angepasste (halb-)nomadische Lebensweisen stehen meist im Widerspruch zu "moderner" Entwicklung. Des Weiteren bildet auch in Mali das koloniale Erbe eine schwere Hypothek. Daraus resultierende strukturelle Defizite und wirtschaftliche Abhängigkeiten und die Bevölkerungsexplosion stellen das Land vor riesige Herausforderungen. Einen Ausweg aus dem Dilemma verspricht seit mehr als 60 Jahren die Entwicklungszusammenarbeit. Einen kurzen Überblick über die wechselhaften Strategien und Erfolge der Entwicklungspolitik gibt dieser Text am Beispiel Malis.

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