Die Exkursion

Die Große Geographische Exkursion ist so etwas wie die „Krönung“ des Studiums im Fach Geographie. Nachdem – ganz besonders im Grundstudium – umfangreiche theoretische Grundlagen vermittelt und (hoffentlich) verinnerlicht wurden, geht es während der Exkursion um die Anwendung des Gelernten. Dies erfolgt in der gesamten Breite von Natur- und Kulturgeographie, je nachdem, was der besuchte Raum zu bieten hat. Die Exkursion nach Mali ging aber über diese „übliche“ Zielsetzung der Geographie- Exkursionen weit hinaus, denn Dank der Zusammenarbeit mit der Lehrbeauftragten Frau Ilsemargret Luttmann wurde der inhaltliche Bogen weiter gespannt zum Studiengebiet „Kulturtheorie und interkulturelle Studien“. Dies wiederum galt nicht nur für die Exkursion und ihr eigenes Vor- und Nachbereitungsseminar, sondern durch die Koppelung mit weiteren Veranstaltungen gelang die Organisation eines interdisziplinären „Studienprojektes Mali“. Zu diesen ergänzenden weiteren Angeboten gehörten

    das Seminar „Unterentwicklungstheorien und Entwicklungsstrategien für den Bereich der ‚Dritten Welt’“, Bereich Kulturgeographie (Pez)
    das Seminar „Darstellung afrikanischer Kulturen in den Medien: das Beispiel Mali“, Bereich Kulturtheorie (Luttmann)
    das Seminar „Französisch/FSZ: Préparation à l'excursion au Mali“, Bereich Fremdsprachen (Gola/Luttmann)
und im Sommersemester 2009 drei weiterführende Seminare
    das Projektseminar „Mali und die Sahelzone: ein potenzieller Krisenraum. Erarbeitung einer Empfehlung für eine überregionale Risikovorsorge“, Bereich Kulturgeographie (Pez)
    „Tourismus und Entwicklung am Beispiel Afrikas“, Bereich Kulturtheore (Luttmann)
    „Französisch/FSZ: Les femmes au Mali: environnement socio-économique et approches de la coopération technique européenne“, Bereich Fremdsprachen (Gola/Luttmann)
Ein solch umfassendes Angebot gab es bislang in Lüneburg nicht und könnte beispielgebend wirken für die zukünftige Ausbildung, wenn die Ziele der Internationalisierung und Interdisziplinarität weiterverfolgt werden.

Bedingt durch den besuchten Raum spielte das Thema Entwicklungszusammenarbeit eine herausragende Rolle. Dies hat uns immer wieder gefesselt, aber auch innerlich mitunter „zerrissen“. Wir haben eine Reihe hochinteressanter und erfolgreicher lokaler Projekte gesehen, mussten aber ebenso die hohe Krisenanfälligkeit des Naturraumes und die unzureichenden Möglichkeiten zur nationalen und internationalen Krisenbewältigung registrieren. Wir waren überwältigt von der Gastfreundschaft derer, die uns aufgenommen haben bzw. zur Verfügung standen, konnten aber als Studierendengruppe dem Eindruck, zur Gruppe der reichen Europäer zu gehören, angesichts von Armut und Aufforderungen von Kindern wie „Donnez-moi un cadeau“ aus der Perspektive der einheimischen Bevölkerung (und ggf. eigenen Ansprüchen, von uns etwas zu[rückzu-] geben) sicher nicht gerecht werden. Wir haben uns nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet – Moskitodome, Impfungen, Sonnencreme, Kopfbedeckungen, Medikamente u. v. m. –, und mussten doch unsere unzulänglichen Resistenzen gegen Krankheiten und klimatische Belastungen am Leibe erfahren. Aber vielleicht gerade deshalb war die Mali-Exkursion auf einzigartige Weise eindrücklich. Wir haben pausenlos durch unmittelbare Erfahrungen gelernt und dies mit allen Sinnen sowie viel, viel mehr als jemals in Seminarräumen vermittelt werden kann.

In dieser Hinsicht möchten wir uns bei den Teilnehmenden für ihr ungeheuer großes Engagement, abschnittweise gepaart mit Leidensfähigkeit, weit mehr aber verbunden mit Begeisterungsfähigkeit und Einfühlungsvermögen herzlich bedanken. Es war eine Exkursion, die wir alle – Leitung und Teilnehmende gleichermaßen – sicherlich niemals vergessen werden.

Peter Pez, Ilsemargret Luttmann

Der Exkursions-Reader beinhaltet die Ausarbeitungen sämtlicher im Vorfeld und während der Exkursion gehaltenen Referate zu den behandelten Themen sowie detaillierte Protokolle der gesamten Exkursion.

Exkursions-Reader.pdf